Vargtimmen (1968)

Regie: Ingmar Bergman
Drehbuch: Ingmar Bergman
Kamera: Sven Nykvist
Musik: Lars Johan Werle
Darsteller: Max Von Sydow, Liv Ullmann, Erland Josephson, Ingrid Thulin
Es gibt einen Satz in der Bewertung von Kunst, den ich eigentlich nicht mehr hören kann, der sich irgendwie anhört wie „man muss dieses Werk auf eine übergeordnete Stufe heben, daraus eine Wahrheit ableiten, die allgemein zu verstehen ist und nicht klar aufgezeigt wird“. Im Mainstream werden diese Gedanken zur Pauschalantwort „Den Film kann man überhaupt nicht verstehen“ und jeder, der einmal nach einem David Lynch-Film beim Rausgehen den Kommentaren anderer Kinogänger gelauscht hat, weiss, was ich meine. Surrealismus oder Postmoderne werden auch im 21. Jahrhundert noch mit Schulterzucken angenommen. Besser wäre doch Angstschweiß. Zurück zum Anfang, den Satz, den ich in dieser oder einer anderen Form nicht hören will, denke ich zumindest oft genug.
Vargtimmen (Ingredients):
- Realität
- Vision
- (Alb)traum
- Mythos
- Erinnerung
Vargtimmen spielt im Hier und Jetzt. Aber auf einer friesischen Insel, es ist eine karge, zerklüftete Felslandschaft. Nur eine altertümliche Hütte für den Künstler Johan und seine Frau Alma dient als Behausung. Sonstige Anzeichen von Zivilisation: Erstmal keine. Aus dem faktischen Heute wird ein gefühltes Mittelalter, das man von Bergman kennt, ein konzentriertes Altertum, eine verdichtetes Schreckensbild von heidnischen Riten und Mythen, in dem ein rationales Weltbild keinen Platz hat. Dunkel ists an diesen Orten, Furcht einflössend. Bergmans Schwarzweiss ist in diesem vorchristlichen Kontext das schrecklichste Schwarzweiss, dass es gibt.
Nach dem Weg zurück in der Zeit passiert mit Vargtimmen das, was mit jedem Bergman-Film passiert, der in einer Vergangenheit spielt, die angemessen genug entfernt ist, um einem Werk normalerweise den Titel „Historienfilm“ zu verpassen: Er benutzt das Szenario, um zeitgenössische Themen zu behandeln. Das Aussen wird zum Innen, die Landschaft zur Stimmung, der offensichtliche Horror zum Spiegelbild der Seele. Oberfläche? Innenleben? Wahrheit? Trugbild? Metaebene? (hier diesen bescheuerten Satz von oben einfügen)
Ein großer, schauderhafter Film.
pablohonig - 14. Sep, 00:11
