Filzsturz
In der Legendenenstraße, Ecke Wahregrößenalle sperrte eines dieser rotweißen Bänder den Eingangsbereich des grand chateau en Espagne ab. Als Gunnar aus der U Bahn Station ausstieg, sah er bereits von weitem eine Menschenmenge vor dem Hotel, das berüchtigt dafür war eine Absteige für Künstler und Luftikusse zu sein. Während er auf seinem MP3 Player vergeblich nach diesem endgeilen Song von einer britischen Elektropoptruppe namens „unilateral tune“ suchte, blickte er erneut kurz auf und sah einen Krankenwagen mit Höchstgeschwindigkeit und eingeschaltetem Blaulicht in die Ernst-Buschke-Strasse schießen. Sicherlich hätte er auch ein Martinshorn gehört, wäre nicht sein Gehör mit Hilfe eines geschlossenen Systems eines High Fidelity Kopfhörers von der Außenwelt abgeschottet. Einige der Schaulustigen sahen sehr verstört aus. Gunnar bemerkte, dass Wenige gar Tränen in den Augen hatten. Kurz fragte er sich, was wohl passiert war, aber die Tatsache, dass einige Passanten von der gerade abgelaufenen Szenerie schwer mitgenommen aussahen, hielt Ihn davon ab diesem Gedanken weiter zu folgen. Endlich fand er den gesuchten Track auf seinem portablen Wiedergabegerät, als er das grand chateau en Espagne hinter sich gelassen hatte und dachte an das Treffen mit seiner Freundin Klara, deren Wohnung in der Legendestrasse sein Ziel war. Voll der Vorfreude auf seine Liebe, genoss er diesen wunderbaren, lebensbejahenden Gesang, der voller Verbalisierungen eigener Gefühle und Ansichten war und so eine fulminante Symbiose mit der beatlastigen, simplen Melodie einging.
Untypischerweise weckte Klara Ihn am nächsten Morgen zu spät. Sie hatten beide den Wecker nicht gehört und mittlerweile war es zu Spät für Gunnar noch in die Uni zufahren. Den einzigen Kurs des Tages hatte er nun ohnehin verpasst. Klara war seit zwei Monaten ohne Beschäftigung. In Ihrer letzten als Grafikerin kündigte man Ihr, da das kleine Softwareunternehmen mit schwacher Auftragslage Sie nicht mehr bezahlen konnte. Während er sein graumeliertes Notebook öffnete, um an einer Hausarbeit zu schreiben, griff sie den Haustürschlüssel vom Brett und ging hinaus um Brötchen zu holen. Im Vorbeigehen streichelte Sie seinen Nacken und grinste Ihn noch einmal an, ehe Sie die Wohnungstür hinter sich ins Schloss zog. Kurz nachdem Klara die Brötchentüte auf dem Küchentisch abstellte, bemerkte Gunnar schon, dass sich Ihre Laune beim Brötchen holen geändert hatte. Die Frage was denn passiert sei beantwortete sie damit, dass sich nichts Tragisches ereignet hatte und legte Ihm eine Lokalausgabe der Bränzlich auf den Tisch.
Schon die Größe des Titels sprang Gunnar ins Auge und nach einigen Millisekunden hatte Er sie auch gelesen: Phil Harmony scheitert bei Selbstmordversuch.
Phil Harmony, war in Gunnars späten Pubertät einer seiner absoluten Lieblingsmusiker. Seine aktuelleren Werke hatte er nicht mehr angehört, aber wahrscheinlich war Gunnar nur abgeschreckt, da Harmony mittlerweile kein Geheimtipp mehr war. Gunnar empfand einfach kein Interesse für die Musik, die einem an jeder Straßenecke um die Ohren gehauen wird. Klara hingegen hörte die Werke Harmonys gelegentlich noch immer und immerhin war diese Musik auch daran beteiligt, dass Sie auf einem Fest eines gemeinsamen Bekannten zum ersten Mal ins Gespräch miteinander kamen. Gunnar las den Text und Ihm wurde klar, dass Harmonys Freitodversuch die Ursache der Menschenansammlung einen Tag zuvor am chateau en Espagne war. Laut Zeitungsartikel blieb Harmony nach einem Sprung vom Balkon seiner Suite nach nur wenigen Metern mit einem Auge an einer der Fahnenstangen hängen. Nach mehreren qualvollen, von lautem Winseln gespickten Minuten, schaffte er es seinen Kopf von der Fahnenstange loszureissen und versuchte sich mit dem weiteren Absturz den Garaus zu machen. Sein Management und Fachkundige der Musikpresse hatten gerade ein kleines Vorzelt für eine Autogrammstunde in dem Eingangsbereich vor dem Hotel aufgestellt, dass Harmonys Sturz ein wenig abbremste. Vorläufige Diagnose der Ärzte: Verlust der linken Hirnhälfte, mehrere Genick- und Gliedmassenbrüche, aber dank der besten Chirurgen dieser Stadt bereits über den Berg.
Verdutzt legt Gunnar die Bränzlich zur Seite und blickt Klara an, ohne die Nachricht weiter zu kommentieren. Gunnar beschlich die Utopie, sich auszumalen wie elendig sich Harmony nun fühlen wird, wenn er aus der Narkose erwacht. Gunnar ist froh, dass er sich gestern nicht weiter um das Geschehen in der Legendenstrasse kümmerte. Hätte Ihm und Klara sowieso nur die Stimmung versaut.
Untypischerweise weckte Klara Ihn am nächsten Morgen zu spät. Sie hatten beide den Wecker nicht gehört und mittlerweile war es zu Spät für Gunnar noch in die Uni zufahren. Den einzigen Kurs des Tages hatte er nun ohnehin verpasst. Klara war seit zwei Monaten ohne Beschäftigung. In Ihrer letzten als Grafikerin kündigte man Ihr, da das kleine Softwareunternehmen mit schwacher Auftragslage Sie nicht mehr bezahlen konnte. Während er sein graumeliertes Notebook öffnete, um an einer Hausarbeit zu schreiben, griff sie den Haustürschlüssel vom Brett und ging hinaus um Brötchen zu holen. Im Vorbeigehen streichelte Sie seinen Nacken und grinste Ihn noch einmal an, ehe Sie die Wohnungstür hinter sich ins Schloss zog. Kurz nachdem Klara die Brötchentüte auf dem Küchentisch abstellte, bemerkte Gunnar schon, dass sich Ihre Laune beim Brötchen holen geändert hatte. Die Frage was denn passiert sei beantwortete sie damit, dass sich nichts Tragisches ereignet hatte und legte Ihm eine Lokalausgabe der Bränzlich auf den Tisch.
Schon die Größe des Titels sprang Gunnar ins Auge und nach einigen Millisekunden hatte Er sie auch gelesen: Phil Harmony scheitert bei Selbstmordversuch.
Phil Harmony, war in Gunnars späten Pubertät einer seiner absoluten Lieblingsmusiker. Seine aktuelleren Werke hatte er nicht mehr angehört, aber wahrscheinlich war Gunnar nur abgeschreckt, da Harmony mittlerweile kein Geheimtipp mehr war. Gunnar empfand einfach kein Interesse für die Musik, die einem an jeder Straßenecke um die Ohren gehauen wird. Klara hingegen hörte die Werke Harmonys gelegentlich noch immer und immerhin war diese Musik auch daran beteiligt, dass Sie auf einem Fest eines gemeinsamen Bekannten zum ersten Mal ins Gespräch miteinander kamen. Gunnar las den Text und Ihm wurde klar, dass Harmonys Freitodversuch die Ursache der Menschenansammlung einen Tag zuvor am chateau en Espagne war. Laut Zeitungsartikel blieb Harmony nach einem Sprung vom Balkon seiner Suite nach nur wenigen Metern mit einem Auge an einer der Fahnenstangen hängen. Nach mehreren qualvollen, von lautem Winseln gespickten Minuten, schaffte er es seinen Kopf von der Fahnenstange loszureissen und versuchte sich mit dem weiteren Absturz den Garaus zu machen. Sein Management und Fachkundige der Musikpresse hatten gerade ein kleines Vorzelt für eine Autogrammstunde in dem Eingangsbereich vor dem Hotel aufgestellt, dass Harmonys Sturz ein wenig abbremste. Vorläufige Diagnose der Ärzte: Verlust der linken Hirnhälfte, mehrere Genick- und Gliedmassenbrüche, aber dank der besten Chirurgen dieser Stadt bereits über den Berg.
Verdutzt legt Gunnar die Bränzlich zur Seite und blickt Klara an, ohne die Nachricht weiter zu kommentieren. Gunnar beschlich die Utopie, sich auszumalen wie elendig sich Harmony nun fühlen wird, wenn er aus der Narkose erwacht. Gunnar ist froh, dass er sich gestern nicht weiter um das Geschehen in der Legendenstrasse kümmerte. Hätte Ihm und Klara sowieso nur die Stimmung versaut.
Räusper - 6. Dez, 13:58
