Damals im Raps
Neu am Platz war ich, da habe gleich eine Einführung bekommen:
„Nimm einfach ma den ollen Droht hier, friemel den ma auf, dann ziehst Du die Tüte n Büschen hoch und spannst Sie wieder fest“.
Aha.
So läuft es also.
Ich blicke meinen neuen Chef fragend und flehend an. Fragend ist dabei eine „das ist nun also den ganzen Tag zu tun?“ – Komponente und flehend das „sag, dass das nicht wahr ist!“ –Pendant. Dieser Blick, wie eigenartig auch immer er in seiner Gesamtheit ausgesehen haben muss, bleibt unregistriert. Herr S. Petersen kratzt sich mit der Hand innerhalb der ausgeleierten Jeans am Arsch und geht in Richtung seines großen, grünen Treckers. Im Übrigen: sein ganzer Stolz.
Auf einem Rapsfeld irgendwo in Schleswig – Holstein stehe ich nun mit einem Aussteiger aus Hamburg, zwei jungen Studentinnen und 8 ungarischen Gastarbeitern und ziehe Tüten über Rapspflanzen damit diese nicht fremd bestäubt werden. O Ton Sönke Petersens dazu:
„Joa, Du weiss ja wie das mit den Blum und den Bien un so is, nä? Biss ja selber sicher ganz wild dabei, oder was“?
Keine zwei Minuten arbeite ich den vorgegebenen Mechanismus herunter, da bin auch schon das Interesse, der übrigen Feldarbeiter. „Jaah, Frischfleisch“ lechzt es zwischen den etwa dreissig Metern entfernten unterschiedlichen Parzellen hin und her. Aus Faulheit über diese Entfernung hin und her zu brüllen verschiebe ich den Kennen- lernen- Wortwechsel auf die Frühstückspause. Ein Prozess, der in meiner gesamten Beschäftigungszeit nie stattfinden wird.
„Wir machen hier imma schon ne halbe Stunde früher Frühstück“ murmelt jemand hinter mir, während ich gerade ganz konzentriert einem Rapspflänzchen bei der Verhütung helfe. Es ist der Hamburger. Er schlüpft in die Rolle des belesenen Kosmopoliten mit spirituellen Neigungen. „Ey man, der Himmel ist hier so anders“, lamentiert er, während er sich heisses Wasser aus einer Thermosflasche in eine Tasse füllt. Da der Kalender gerade Mitte August anzeigt und der Vormittag sich bereits auf etwa 24 ° C im Schatten erwärmt hat, frage ich mich im Stillen ob er Sie wohl noch alle beisammen hat.
„Nein“ lautet meine eigene geistige Antwort darauf, als ich bemerke, dass er das Wasser trinkt, ohne dass ein Teebeutel vorher drin geschwommen hätte. „Das ist Scheisse, wenn der Körper kalte Flüssigkeiten noch erwärmen muss, dabei verliert er viel gute Energie“, komentiert er seine ganz eigene Art sich im Sommer zu erfrischen.
In der Mittagspause sehe ich den latent Ausgeglichenen dann mit einem großen Teller beladen aus einer der dörflichen Gastwirtschaften. Es gibt Bratkartoffeln und Sauerfleisch. Wohl wegen der vielen guten Energie.
Bei gutem Wetter nutze ich die dreiviertel Stunde Mittagspause gern für ein Nickerchen in der Sonne. Regen führte hingegen zu einem Treffen in einer kleinen Scheune mit Bierbank und Biertischen. Die wortleeren Momente wurden dann mit Pseudoesoterikgebrabbel oder mit kichereigeschwängerten Erzählungen der beiden Lehramtsstudentinnen gefüllt. Dort ging es dann um die Katze, den Freund, die Vorabendserie, das Auto, das Mutti Ihnen überlassen hat, das Zuhause mit den Eltern, die Eltern und das Eltern selber werden wollen. Zeugs mit ganz viel Humorpotential und riesigem Spannungsbogen also.
Mich beäugte man derweil aüsserst behutsam, hatte ich in diesem Umfeld doch wenig zu erzählen und galt somit als der Verschwiegene. Wenn man über den sich ausruhenden, leisen Typen und Freund weniger, freundlicher Worte tuschelte (also über mich), hätte ich liebend gern manchmal „meine Güte, denkt Ihr ich hänge hier mit Euch ab, weil ich Euch alle so furchtbar cool finde?“ gebrüllt und am nächsten Tag gekündigt. Habe ich aber nicht. Wohl wegen der vielen guten Energie. In Form schwarzer zahlen.
„Nimm einfach ma den ollen Droht hier, friemel den ma auf, dann ziehst Du die Tüte n Büschen hoch und spannst Sie wieder fest“.
Aha.
So läuft es also.
Ich blicke meinen neuen Chef fragend und flehend an. Fragend ist dabei eine „das ist nun also den ganzen Tag zu tun?“ – Komponente und flehend das „sag, dass das nicht wahr ist!“ –Pendant. Dieser Blick, wie eigenartig auch immer er in seiner Gesamtheit ausgesehen haben muss, bleibt unregistriert. Herr S. Petersen kratzt sich mit der Hand innerhalb der ausgeleierten Jeans am Arsch und geht in Richtung seines großen, grünen Treckers. Im Übrigen: sein ganzer Stolz.
Auf einem Rapsfeld irgendwo in Schleswig – Holstein stehe ich nun mit einem Aussteiger aus Hamburg, zwei jungen Studentinnen und 8 ungarischen Gastarbeitern und ziehe Tüten über Rapspflanzen damit diese nicht fremd bestäubt werden. O Ton Sönke Petersens dazu:
„Joa, Du weiss ja wie das mit den Blum und den Bien un so is, nä? Biss ja selber sicher ganz wild dabei, oder was“?
Keine zwei Minuten arbeite ich den vorgegebenen Mechanismus herunter, da bin auch schon das Interesse, der übrigen Feldarbeiter. „Jaah, Frischfleisch“ lechzt es zwischen den etwa dreissig Metern entfernten unterschiedlichen Parzellen hin und her. Aus Faulheit über diese Entfernung hin und her zu brüllen verschiebe ich den Kennen- lernen- Wortwechsel auf die Frühstückspause. Ein Prozess, der in meiner gesamten Beschäftigungszeit nie stattfinden wird.
„Wir machen hier imma schon ne halbe Stunde früher Frühstück“ murmelt jemand hinter mir, während ich gerade ganz konzentriert einem Rapspflänzchen bei der Verhütung helfe. Es ist der Hamburger. Er schlüpft in die Rolle des belesenen Kosmopoliten mit spirituellen Neigungen. „Ey man, der Himmel ist hier so anders“, lamentiert er, während er sich heisses Wasser aus einer Thermosflasche in eine Tasse füllt. Da der Kalender gerade Mitte August anzeigt und der Vormittag sich bereits auf etwa 24 ° C im Schatten erwärmt hat, frage ich mich im Stillen ob er Sie wohl noch alle beisammen hat.
„Nein“ lautet meine eigene geistige Antwort darauf, als ich bemerke, dass er das Wasser trinkt, ohne dass ein Teebeutel vorher drin geschwommen hätte. „Das ist Scheisse, wenn der Körper kalte Flüssigkeiten noch erwärmen muss, dabei verliert er viel gute Energie“, komentiert er seine ganz eigene Art sich im Sommer zu erfrischen.
In der Mittagspause sehe ich den latent Ausgeglichenen dann mit einem großen Teller beladen aus einer der dörflichen Gastwirtschaften. Es gibt Bratkartoffeln und Sauerfleisch. Wohl wegen der vielen guten Energie.
Bei gutem Wetter nutze ich die dreiviertel Stunde Mittagspause gern für ein Nickerchen in der Sonne. Regen führte hingegen zu einem Treffen in einer kleinen Scheune mit Bierbank und Biertischen. Die wortleeren Momente wurden dann mit Pseudoesoterikgebrabbel oder mit kichereigeschwängerten Erzählungen der beiden Lehramtsstudentinnen gefüllt. Dort ging es dann um die Katze, den Freund, die Vorabendserie, das Auto, das Mutti Ihnen überlassen hat, das Zuhause mit den Eltern, die Eltern und das Eltern selber werden wollen. Zeugs mit ganz viel Humorpotential und riesigem Spannungsbogen also.
Mich beäugte man derweil aüsserst behutsam, hatte ich in diesem Umfeld doch wenig zu erzählen und galt somit als der Verschwiegene. Wenn man über den sich ausruhenden, leisen Typen und Freund weniger, freundlicher Worte tuschelte (also über mich), hätte ich liebend gern manchmal „meine Güte, denkt Ihr ich hänge hier mit Euch ab, weil ich Euch alle so furchtbar cool finde?“ gebrüllt und am nächsten Tag gekündigt. Habe ich aber nicht. Wohl wegen der vielen guten Energie. In Form schwarzer zahlen.
Räusper - 24. Nov, 12:53
