Dienstag, 16. September 2008

No Country for Old Men (2007)

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Regie: Ethan Coen, Joel Coen
Drehbuch: Joel Coen, Ethan Coen
Kamera: Roger Deakins
Darsteller: Tommy Lee Jones, Javier Bardem, Josh Brolin, Woody Harrelson , Kelly Macdonald, Garret Dillahunt



Kein Land für Musik.

Kein Land für lange Sätze. Wer spricht schon gern, wenn der heiße Wüstenwind den Mund austrocknet und die Zunge verdorren lässt?

Kein Land für entgleiste Gesichtszüge. Tommy Lee Jones behauptet, schon mal gelacht zu haben. Es könnte gelogen sein.

Kein Land für aufrechten Gang. Wenn man genug vom hässlichen, unverständlichen Genuschel seiner Mitmenschen hat, wenn man jahrelang vergeblich die Gesichtsmuskeln nach einem Zucken abgesucht hat, erfindet man andere Wege der Kommunikation. Dort unten auf dem Boden wird gesprochen, mit Fußabdrücken, Reifenspuren, Glassplittern und immer wieder Blut, auf dem Teppich, im Sand, auf dem Asphalt. Die Semiotik berauscht sich am Tod.

Eine gute Stunde ist No Country for Old Men der kongeniale Zwilling von Fargo, getrennt durch einen bösen Zufall und in der heißen Wüstenluft des Südens der USA aufgewachsen. Trotz guter Erziehung haben sich die versauten Gene durchgesetzt.

Kein Land für Ehre. Diese Gegend war Schauplatz von so vielen verwitterten, aber moralisch einwandfreien Einzelgängern, die skrupellosen Banditen ihr Leben lang die Gerechtigkeit zugeführt haben, die sie (verdammt noch mal) verdienten. Die Luft hatte immer schon den Geschmack des herannahenden Todes, aber sie roch sauber nach Pistolenduellen, nicht faulig wie das Messer im Rücken. Die Illusion der Moral von gezogenen Waffen ist fortgewischt, die alten Helden schauen hilflos zu, wie Javier Bardem als psychopathischer Killer in aller Seelenruhe demonstriert, dass es das alte System nicht versteht, mit diesem neuen Typus umzugehen. In der Wüste erklingt immer noch das Lied vom Tod, aber in anderen Variationen, als dreckige Mordballade, immer noch meditativ, aber ohne Glauben.

Ich muss noch was von der zweiten Stunde erzählen. Die hat mir nicht gefallen. „Catch me if you can“-Gehopse durch schäbige Motelzimmer., Taktwechsel, Ortswechsel, Plotwechsel. Es wird hektisch, es wird langweilig. Ein Film wehrt sich gegen das „Fahrt aufnehmen“ seiner Schöpfer.

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